Verlust ohne Todesfall – wie ein Verlust eines noch lebenden Angehörigen den Weg für häusliche Gewalt ebnet
Für Fachkräfte, die mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten.
90 % der Kinder erleben vor ihrem 18. Lebensjahr einen Verlust eines nahestehenden Menschen. Die meisten Fachleute wissen das nicht.
„Lebender Verlust“ ist Trauer ohne Verstorbenen – der Verlust dessen, wie etwas hätte sein sollen, während das Leben einfach weitergeht. Das Kind mit einer schweren Behinderung. Der Elternteil, der zwar da ist, aber nicht mehr derselbe ist. Die Familie, die auseinanderbricht. Keine Beerdigung, keine Beileidskarten, keine Anerkennung.
Und doch ist es ein großer Verlust. Ein Verlust, der immer größer wird, sich anhäuft und Familien langsam aus dem Gleichgewicht bringt – bis die Spannung irgendwann explodiert.
Wenn man nur auf Anzeichen von Gewalt achtet, sieht man nur die Hälfte. Die andere Hälfte ist das, was diese Familie schon seit Monaten oder Jahren erträgt – ohne dass es jemand bemerkt hat. Dieses Modul vermittelt dir diese zweite Hälfte.
Was du lernst
- Was „Lebender Verlust“ ist und wie groß sein Ausmaß ist – die Zahlen sind höher, als man denkt
- Wie Lebender Verlust auf individueller und systemischer Ebene wirkt und warum er das Risiko häuslicher Gewalt erhöht
- Wie man zwei Fallbeispiele mithilfe des Verlustdreiecks analysiert: Auswirkungen, Bewältigung und Unterstützung
- Warum ein und dasselbe Signal sowohl auf einen Lebender Verlust als auch auf häusliche Gewalt hindeuten kann – und wie man damit umgeht
- Wie man eine Familie umfassender wahrnimmt, wenn man zwei Brillen gleichzeitig trägt
Inhalt
Für alle, die beruflich mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten: Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Mitarbeiter von Stadtteilteams, Jugendfachkräfte, interne Betreuer – und alle, die in ihrer Arbeit mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind.
Du verfügst über Grundkenntnisse zum Thema häusliche Gewalt. Aber manchmal fragst du dich, warum bestimmte Familien immer wieder zurückkommen, warum Anzeichen so schwer zu deuten sind und warum Interventionen nicht so wirken, wie sie sollten. Dieses Modul liefert dir die fehlende Hälfte der Geschichte.
Praktische Informationen
Dieses Modul wurde von Richard Hattink, Trauerpädagoge, Bestatter und internationaler Trainer, entwickelt. Er arbeitet seit mehr als 25 Jahren mit Kindern, Jugendlichen und Familien in Trauer- und Verlustsituationen und schult Fachkräfte in den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Österreich und darüber hinaus.
KC-ToThePoint ist ein internationales Kompetenzzentrum zum Thema Trauer bei Kindern und Jugendlichen, das in sieben Ländern tätig ist.